Allianz für Kindergesundheit

Spitzenmedizin in der Kinderonkologie für München / Südbayern Optimierung der Versorgungs­strukturen

In München gibt es in unmittelbarer Nähe zwei kinderonkologische Behandlungszentren. Was spricht für eine Bündelung? Eine ganze Reihe von Argumenten zeigt, dass ein Versorgungszentrum der Spitzenmedizin gravierende Vorteile bieten würde.

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Ausgangslage

Zwei universitäre Standorte auf engem Raum bei steigenden Anforderungen an Qualität und Spezialisierung.

In München bestehen mit dem Haunerschen Kinderspital der LMU und der Kinderklinik München Schwabing der München Klinik / TUM zwei Standorte für pädiatrische Onkologie und Hämatologie. Es stellt sich die Frage, welche Struktur künftig medizinisch, personell und baulich am tragfähigsten ist.

Struktur

Komplexe Versorgung verteilt sich auf mehrere Einheiten.

Diagnostik, stationäre Therapie, Tagesklinik, Nachsorge und Forschung sind inhaltlich eng verknüpft, werden aber in parallelen Strukturen vorgehalten.

Qualität

Erfahrung entsteht durch Fallzahl, Routine und Teamstabilität.

Aus anderen Bereichen der Medizin ist der Zusammenhang zwischen hoher Fallzahl, Komplikationsmanagement und Ergebnisqualität gut belegt.

Zukunft

Fachkräftemangel und Wissenszuwachs erhöhen den Druck.

Translationale Medizin, molekulare Diagnostik, Studienzugang und Langzeitnachsorge brauchen attraktive Strukturen für Expertinnen und Experten.

Best Practice Niederlande

Bündelung als Qualitätsstrategie, nicht als Selbstzweck.

Das Prinses Máxima Centrum in Utrecht gilt als international beachtetes Modell für die pädiatrische Onkologie. Es bündelt die Behandlung krebskranker Kinder in den Niederlanden an einem nationalen Zentrum und koppelt diese Struktur eng mit Forschung, Diagnostik, Studien und Nachsorge.

Entscheidend ist das Prinzip: seltene und komplexe Krankheitsbilder brauchen Erfahrung, Spezialisierung und schnell verfügbare interdisziplinäre Entscheidungen. Gleichzeitig müssen Familien nicht für jede Routineleistung maximal weit fahren.

Für München entsteht daraus eine konkrete Leitfrage: Welche Elemente lassen sich übertragen, damit hohe Expertise zentral verfügbar ist und wohnortnahe Versorgung dort erhalten bleibt, wo sie medizinisch sinnvoll ist?

Einzugsgebiet

Die Erreichbarkeit spricht nicht gegen eine Bündelung in einem Zentrum der Spitzenversorgung.

Die vorläufige Analyse im Factsheet zeigt: Eine strukturelle Bündelung in München würde die lokale und regionale Erreichbarkeit voraussichtlich nicht wesentlich verändern, weil die beiden Kliniken das gleiche Einzugsgebiet abdecken und gemeinsam leichter ambulante Versorgungsstrukturen in der Region aufbauen könnten.

Karte der Münchner Klinikstandorte und beteiligten Initiativen
Münchner Klinikstandorte, Patienteninitiativen und Elternvereine aus dem Factsheet.
Karte bayerischer und angrenzender Versorgungsgebiete
Bayerische und angrenzende Versorgungsgebiete im Überblick.
Fahrtzeitzonen im Umfeld der Münchner Klinikstandorte
Fahrtzeitzonen rund um die Münchner Standorte.

Seltene Erkrankungen mit breitem Spektrum

Bei seltenen Diagnosen zählt jede zusätzliche Erfahrung im Team.

Das Deutsche Kinderkrebsregister weist für Bayern 338 gemeldete Neuerkrankungen p.a. aus. Bei sieben Kinderonkologischen Zentren in Bayern ergibt das im Durchschnitt eine Anzahl von 48 Neuerkrankungen pro Klinik und Jahr.

Die Möglichkeiten in der kinderonkologischen Diagnostik und Therapie werden immer besser, aber damit auch zunehmend komplexer und differenzierter. Das erfordert Spezialisierung bzw. Subspezialisierung innerhalb der Behandlungsteams.

338

gemeldete Neuerkrankungen p.a.

7

bayerische Kinderonkologische Zentren

48

durchschnittliche Anzahl Neuerkrankungen pro Klinik und Jahr

Diagnosegruppe Anteil Fälle pro Klinik
Leukämien 29,7% 14,3
ZNS-Tumoren 23,6% 11,4
Lymphome 15,3% 7,4
Weichteilsarkome 5,7% 2,8
Periphere Nervenzelltumoren 5,5% 2,7
Nierentumoren 5,6% 2,7
Knochentumoren 4,5% 2,2
Keimzelltumoren 3,5% 1,7
Retinoblastome 2,9% 1,4
Lebertumoren 1,4% 0,7
Sonstige maligne Erkrankungen 2,3% 1,1
Alle Erkrankungen 100,0% 48,3

Anteile und Fälle pro Klinik gerundet; rechnerische Ableitung aus 338 Neuerkrankungen p.a. und sieben Zentren.

In der Erwachsenenmedizin sind Mindestmengen in der Onkologie anerkannter Standard.
40 allogene Stammzelltransplantationen bei Erwachsenen ab 2025 als Orientierungspunkt
20 komplexe Eingriffe am Organsystem Bauchspeicheldrüse bei Erwachsenen als Orientierungspunkt
75 thoraxchirurgische Lungenkrebsbehandlungen bei Erwachsenen ab 2025
100 chirurgische Brustkrebsbehandlungen bei Erwachsenen ab 2025

Qualitätsvorgaben

Mindestmengen in der Erwachsenenmedizin sind nicht 1:1 auf die Pädiatrie übertragbar, aber geben einen deutlichen Denkanstoß.

In der Erwachsenenmedizin sind Mindestmengen in der Onkologie anerkannter Standard. Relevant sind unter anderem Vorgaben zu allogenen Stammzelltransplantationen, thoraxchirurgischen Lungenkrebsbehandlungen, chirurgischen Brustkrebsbehandlungen und komplexen Eingriffen am Organsystem Bauchspeicheldrüse.

GPOH und G-BA definieren Struktur- und Qualitätsanforderungen, die sich weiterentwickeln werden. Eine Bündelung komplexer Versorgungsaufgaben kann helfen, Standards langfristig zu erfüllen und Doppelstrukturen zu reduzieren.

Das Prinses Máxima Centrum in Utrecht dient als internationales Referenzmodell: komplexe und kurative Behandlungen werden zentral gebündelt, während wohnortnahe Ambulanzen unterstützende Versorgung, Nachsorge und Routinekontakte übernehmen.

Für München bedeutet das nicht, ein ausländisches Modell direkt zu kopieren. Relevant sind übertragbare Bausteine: koordinierte Patientenwege, molekulare Diagnostik, Studieneinschluss und strukturierte Langzeitnachsorge.

Zukunftschancen durch medizinischen Fortschritt

Neue Therapieoptionen für alle Kinder & Jugendlichen erschließen

Neue Verfahren sind mit hohen Kosten verbunden.

Neue Verfahren in Diagnostik und Therapie in der Kinderonkologie sind sehr vielversprechend, aber auch mit extrem hohen Kosten verbunden.

Ressourcen müssen dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Niemand möchte, dass medizinische Entscheidungen von finanziellen Überlegungen bestimmt werden.

Gleichzeitig wissen alle Beteiligten, dass Ressourcen im Gesundheitswesen nicht unbegrenzt verfügbar sind. Umso wichtiger ist es, vorhandene Mittel möglichst wirksam einzusetzen.

Versorgungsstrukturen effizient und effektiv gestalten.

Zukunftsgerichtete und leistungsfähige Versorgungsstrukturen tragen dazu bei, dass die verfügbaren Ressourcen dort ankommen, wo sie den größten Nutzen für die betroffenen Kinder, Jugendlichen und ihre Familien entfalten - in der Behandlung und Begleitung sowie in der Erforschung und Weiterentwicklung neuer Therapien.

Potentielle Lösungsansätze

Strukturvarianten und -elemente, die fachlich und politisch diskutiert werden sollten.

Die Optionen unterscheiden sich darin, wie stark Behandlung, Expertise und Infrastruktur gebündelt werden. Entscheidend ist, komplexe Therapie zentral zu stärken und zugleich Familien bei Routineversorgung wohnortnah zu versorgen.

Bündelung einzelner Fallgruppen

Seltene Diagnosen oder besonders komplexe Therapien wie Hochrisiko-Leukämien, ZNS-Tumoren, seltene solide Tumoren oder Stammzelltransplantationen werden einem Schwerpunktstandort zugeordnet.

Konzentration der gesamten pOH-Versorgung

Komplexe Diagnostik, Systemtherapien, Tumorkonferenzen, Studien, Forschung und Lehre werden für die Region an einem Zentrum zusammengeführt.

Zentrum plus dezentrale Shared-Care-Standorte

Kurative und komplexe Behandlung erfolgt zentral; Blutabnahmen, Supportive Care, Verlaufskontrollen, Psychoonkologie und Nachsorge können über gekoppelte Ambulanzen wohnortnah bleiben.

Digitale und telemedizinische Ergänzung

Videosprechstunden, digital gestützte Nachsorgepläne und gemeinsame Patientenakten reduzieren unnötige Wege und sichern die Rückkopplung an das Zentrum.

Analyse-, Entscheidungs- und Transformationsprozess

Der nächste Schritt ist ein strukturierter Dialog auf einer belastbaren Datengrundlage und mit klugen Strukturoptionen.

Für eine Bewertung von Optimierungsoptionen ist eine Aufbereitung von Grundlagen, wie Fallzahlen, Einzugsgebiete, Fahrtzeitzonen, Versorgungskapazitäten, absehbare Entwicklungen in Diagnostik und Therapie in einem Strukturgutachten wertvoll. Hilfreich ist ein Blick auf Best-Practice-Gestaltungen wie z.B. in Holland.

1

Datenbasis schärfen

Fallzahlen stationär und ambulant, Verweildauern, Behandlungskapazitäten Normal- und Intensivstation, Tagesklinik sowie Expert:innen mit Spezialisierungen und Subspezialisierungen erfassen.

2

Elterninitiativen einbeziehen

Eltern- und Patienteninitiativen einbeziehen: Einzugsgebiete, Fahrtzeitzonen sowie Akut-Phase gegenüber Kontroll- und Nachsorge-Terminen systematisch aufnehmen.

3

Fachlichen Konsens suchen

Expertinnen, Pflege, Forschung, Beratungsstellen, KioNet und CCC-M in gemeinsame Dialogformate bringen.

4

Trägerentscheidung vorbereiten

Ministerien, Stadt München, Kliniken und Kostenträger mit Szenarien, Meilensteinen und Transformationspfad befassen.

Material

Weiterführende Slides und Vortrag

Die Präsentation aus unserer Veranstaltungsreihe zusammen mit Health Care Bayern e.V. steht hier als PDF zum Download bereit.

Slides zur Veranstaltungsreihe

PDF-Präsentation mit weiterführenden Informationen zur Diskussion über Versorgungsstrukturen in der pädiatrischen Onkologie.

PDF herunterladen

Von der Diskussion zur entscheidungsfähigen Zielstruktur.

Diese Website verdichtet die wichtigsten Aspekte und soll einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion zwischen den Beteiligten leisten: Ministerien, Kliniken, Leistungsträger:innen, Eltern- und Patienten-Initiativen.

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